Schon in Adventstimmung?

Advent, Advent und nicht mehr lang ist’s bis die Weihnachtsglocken läuten. Wer schon aller in Adventstimmung ist, dem proste ich mit Punsch zu. Wer aber in Gedanken noch am Strand im August sitzt, dem nehm‘ ich das nicht übel, denn es braucht eben manchmal mehr als nur Weihnachtslieder und Zimtsterne, um sich auf das Fest der Liebe einzustellen.

Hier ein bisschen Advent für alle, – sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch ;)-  die Weihnachten nicht nur mit den Sinnesorganen ergründen wollen, sondern auch mit der Seele:

 

5 ausgewählte Weihnachtsgedichte, die man gelesen haben sollte.

  • Als ich noch klein war, hab ich alle Teile von „Anne of Green Gables“ gelesen. Umso schöner ist es für mich, jetzt ein Weihnachtsgedicht von der Autorin vorstellen zu können:

 

The Christmas Night (Lucy Maud Montgomery)

Wrapped was the world in slumber deep,
By seaward valley and cedarn steep,
And bright and blest were the dreams of its sleep;
All the hours of that wonderful night-tide through
The stars outblossomed in fields of blue,
A heavenly chaplet, to diadem
The King in the manger of Bethlehem.

Out on the hills the shepherds lay,
Wakeful, that never a lamb might stray,
Humble and clean of heart were they;
Thus it was given them to hear
Marvellous harpings strange and clear,
Thus it was given them to see
The heralds of the nativity.

In the dim-lit stable the mother mild
Looked with holy eyes on her child,
Cradled him close to her heart and smiled;
Kingly purple nor crown had he,
Never a trapping of royalty;
But Mary saw that the baby’s head
With a slender nimbus was garlanded.

Speechless her joy as she watched him there,
Forgetful of pain and grief and care,
And every thought in her soul was a prayer;
While under the dome of the desert sky
The Kings of the East from afar drew nigh,
And the great white star that was guide to them
Kept ward o’er the manger of Bethlehem.

 

  • Überall wo es Gedichte gibt, darf Goethe selbstverständlich nicht fehlen:

Bäume leuchtend (Goethe)

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend.
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret.
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und Her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir’s begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

 

  • Rainer Maria Rilke hat die Weihnachtswelt ebenfalls mit einem kleinen Gedicht beglückt:

Advent (Rainer Maria Rilke)

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

 

  • Hier ein Stück Weihnachten von Franz Grillparzer:

Am heil’gen Christtagabend (Franz Grillparzer)

Am heil’gen Christtagabend
Den Kindern man beschert,
Da ist denn eitel Freude
An Wägelchen und Pferd.

Am heil’gen Christtagabend,
Obgleich ich längst kein Kind,
Hat man mir auch bescheret,
Gut wie die Menschen sind.

Man gab mir einen Kummer,
Man gab mir eine Qual,
Die tief am Leben naget,
Das längst schon geht zu Tal.

Man gab‘ mir die Gewißheit,
Mein Streben sei verkannt,
Und ich ein armer Fremdling
In meinem Vaterland.

Man hat beim nah’nden Winter
Genommen mir das Nest,
Und hieß mich weiter wandern
Für meines Lebens Rest.

Doch ist’s der Lauf der Zeiten;
Ein Trost nur stellt sich dar:
Bin ich auch nichts geworden,
Ich blieb doch, der ich war.

 

  • Und zu guter Letzt ein Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff (die, die mich ein bisschen besser kennen, haben sicher damit gerechnet ;)):

Am Feste der heiligen drei Könige (Annette von Droste-Hülshoff)

 

Durch die Nacht drei Wandrer ziehn,

Um die Stirnen Purpurbinden,

Tiefgebräunt von heißen Winden

Und der langen Reise Mühn.

Durch der Palmen säuselnd Grün

Folgt der Diener Schar von weiten;

Von der Dromedare Seiten

Goldene Kleinode glühn,

Wie sie klirrend vorwärts schreiten,

Süße Wohlgerüche fliehn.

 

Finsternis hüllt schwarz und dicht

Was die Gegend mag enthalten;

Riesig drohen die Gestalten:

Wandrer, fürchtet ihr euch nicht?

Doch ob tausend Schleier flicht

Los‘ und leicht die Wolkenaue:

Siegreich durch das zarte Graue

Sich ein funkelnd Sternlein bricht.

Langsam wallt es durch das Blaue,

Und der Zug folgt seinem Licht.

 

Horch, die Diener flüstern leis:

„Will noch nicht die Stadt erscheinen

Mit den Tempeln und den Hainen,

Sie, der schweren Mühe Preis?

Ob die Wüste brannte heiß,

Ob die Nattern uns umschlangen,

Uns die Tiger nachgegangen,

Ob der Glutwind dörrt‘ den Schweiß:

Augen an den Gaben hangen

Für den König stark und weiß.“

 

Sonder Sorge, sonder Acht,

Wie drei stille Monde ziehen

Um des Sonnensternes Glühen,

Ziehn die Dreie durch die Nacht.

Wenn die Staublawine kracht,

Wenn mit grausig schönen Flecken

Sich der Wüste Blumen strecken,

Schaun sie still auf jene Macht,

Die sie sicher wird bedecken,

Die den Stern hat angefacht.

 

O ihr hohen heil’gen Drei!

In der Finsternis geboren

Hat euch kaum ein Strahl erkoren,

Und ihr folgt so fromm und treu!

Und du meine Seele, frei

Schwelgend in der Gnade Wogen,

Mit Gewalt ans Licht gezogen,

Suchst die Finsternis aufs Neu!

O wie hast du dich betrogen;

Tränen blieben dir und Reu!

 

Dennoch, Seele, fasse Mut!

Magst du nimmer gleich ergründen,

Wie du kannst Vergebung finden:

Gott ist über Alles gut!

Hast du in der Reue Flut

Dich gerettet aus der Menge,

Ob sie dir das Mark versenge

Siedend in geheimer Glut,

Lässt dich nimmer dem Gedränge,

Der dich warb mit seinem Blut.

 

Einen Strahl bin ich nicht wert,

Nicht den kleinsten Schein von oben.

Herr, ich will dich freudig loben,

Was dein Wille mir beschert!

Sei es Gram, der mich verzehrt,

Soll mein Liebstes ich verlieren,

Soll ich keine Tröstung spüren,

Sei mir kein Gebet erhört:

Kann es nur zu dir mich führen,

Dann willkommen Flamm‘ und Schwert!

 

 

Was macht ihr, um in Weihnachtsstimmung zu kommen? Freu mich auf eure Tipps!

In diesem Sinne: eine schöne, besinnliche Weihnachtszeit!!

 

wünscht Berni S.

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