Textsorte: Poetry Slam. 

Allen Slammern, die sich bereits nach der Lektüre des Titels empören, sei empfohlen, diese Lektüre bis zum Ende des Texts fortzusetzen.

Heutzutage kommen Literatur-Liebhabende kaum mehr darum herum:

Der Poetry-Slam hat schon lange das Internet erobert, die Veranstaltungssääle gefüllt und uns Namen wie Julia Engelmann ins Ohr tattoowiert. Denn hin und wieder braucht die Literatur eben frischen Wind. Und hin und wieder ist dieser Wind blond, trägt Jeansjacke und reimt in modernem, fast Rap-ähnlichem Rhytmus. Oder beschimpft die AfD.

Auf Poetry Slams vorgetragene Texte bringen Alt und (ganz besonders) Jung zum Lachen, zum Weinen und Nachdenken. Aber was ist der Grund dafür – wieso feieren diese Veranstaltungen einen derartigen Erfolg?

Ich selbst bin im letzten Jahr vermehrt mit dem Wiener Slammerwesen in Kontakt gekommen, so wie ach ein paar Mal mit Slams in Niederösterreich.

Im Allgemeinen läuft das so ab:

In einem dunklen, alternativ wirkenden Raum mit klingendem Namen versammeln sich dunkel gekleidete, alternativ wirkende Menschen, mit klingeneden Künstlernamen. Gut gelaunte Moderatorinnen weihen ein erst schüchternes Publikum ein, das lernen muss – ganz theater- und lesungsunähnlich – zu schnipsen, zu klatschen, zu schreien und dabei auch als Jury zu fungieren. Dann kommt ein gesellschaftskritischer, ein verliebter, ein herzgebrochener, ein lustiger Text und einer, der die Leute jetzt dann mal wirklich zum Handeln aufforden will. Letzterer Text kommt dann meistens von mir.

Wer gewinnt, ist zumindest offiziell nur von zweitrangiger Bedeutung – was zählt, ist das Auftreten, das Interagieren mit dem Publikum, das Anhören der anderen Texte und das Kennenlernen anderer Schreiber.

Was also den Reiz an Poetry Slams ausmacht und so auch deren Erfolg erklärt, ist wohl die Publikumsverbundenheit. Statt den eigenen Text von einer Germanistenherde aufs Wildeste analysieren zu lassen, kämpt man hier um die Gunst des Publikums, man will echte Menschen beendrucken, Leute wie dich und mich eben.

Nun könnte man behaupten, der Poetry Slam seine eine Art literarische Pubertät. Eine rebellische Form des Einfach-Man-Selbst-Und-Authentisch-Sein-Wollens. Eine Zusammenkunft von Menschen, die eben mal alles anders machen wollen und dabei vortragen, was in der Welt der Literatur sonst keiner hören will.

Aber genau das ist auch der zweite Grund für den großen Erfolg dieser Veranstaltungen. Da geht es nämlich darum, einfach man selbst und authentisch zu sein und sich nicht gesichtslosen Personen mit Exposés anbiedern zu müssen, sondern nur von der Sympathie zu Menschen abhängig zu sein, die so sind, wie du und ich. Da hört man Dinge, die in der großen Welt vielleicht keiner hören will, die aber im Kleinen und im Geheimen trotzdem jeder sagen möchte.

Lust bekommen oder schon Erfahrungen auf Slams gesammelt?

Erzählt es uns in den Kommentaren?

Wie hat es euch gefallen und welche Slams könnt ihr empfehlen?

Ein schönes Wochenende,

Susi

PS: „Poetry Slam“ an sich ist eine Veranstaltung, keine Textsorte. Zu sagen, du schriebest einen Slam, wäre so, als würdest du sagen, „“ich schreibe eine Lesung“. Man schreibt keine „Slams“ (oder eben „Lesungen“), man schreibt Texte und trägt sie dann dort vor. Isso, wie meine österreichische Seele jetzt anmerken möchte.

 

 

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