Opernorgie Salzburg ’17: Mozart im Discofieber und ein paar Flüchtlinge. 

Besprochene Oper: La Clemenza di Tito.

Komponist: W. A. Mozart. 

Uraufführung: 1791.

Gesehen: Felsenreitschule, Salzburg, August 2017.

Regie: Peter Sellars (der kleine Mann mit den großen Haaren).

Dirigent: Teodor Currentzis (der große Mann mit den kleinen Haaren). 

Handlung: König Titus ist nett und vergibt allen. Weil er an der Macht ist und seine Haupt-Konkurrentin nicht will sie ihn von seinem besten Freund ermorden lassen. In Mozarts Fassung gelingt das nicht, in Sellars‘ schon, in jedem Fall vergibt König Titus am Ende wieder allen, weil er nett ist. Und weil man so die größte Macht aufbauen kann, denn dadurch stehen sie alle für immer in seiner Schuld.

Was ich dazu sage: Eigentlich bin ich Herrn Sellars noch immer böse, weil Titus gestorben ist und das keinen Sinn ergibt und Mozarts ganze Handlung zerstört und außerdem mochte ich Titus. Titus selbst hat auch irgendwie krank gewirkt, geschwitzt wie ich auf Safari und stimmlich nicht besonders überzeugt. Damit war er allerdings der einzige. Unter Currentzis Leitung haben Sänger wie Musiker – letztere hat der Dirigent eigens aus Perm, Russland mitgebracht – das Stück, das musikalisch eigentlich nicht an Mozarts restliche Opern heranreicht, besonders dynamisch (also in Bezug auf Laut und Leise) gewürzt, wie sonst selten ein Ensemble. Hin und wieder wurden andere Stücke Mozarts eingebaut – wohl auch, weil die Oper an sich musikalisch recht leer wirkt. 

Interessierten empfehle ich, für die letzten paar Minuten eine Sonnenbrille mitzubringen, da schmücken nämlich Disco-mäßig flackernde Säulen die Bühne. 

Ansonsten war Sellars‘ Inszenierung eine Inszenierung der Willkommenspolitik: Der Chor, als Flüchtlinge verkleidet, stand Tito, eindeutig als UNO-Abgeordnetem, gegenüber. Auch wenn die Thematik an sich bekanntlich oft durchgekaut wurde, gelangen Sellars einige schöne und berührende Momente – zum Beispiel, als die Flüchtlinge sich selbst mit einem „Benedictus qui venit in nomine domine“ (also „gelobt sei der da kommet im Namen des Herren“) ein „Begrüßungslied“ singen.

Auch wenn die wunderschöne Bühne der Felsenreitschule mit alle ihren Bögen und Balkönchen nicht wirklich ausgenutzt wird, lautet meine Empfehlung: Anschauen und anhören, auf alle Fälle!

-Susi

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