Theaterkater Salzburg ’17: Pinters Geburtstagsfeier und die Kunst, sich langsam zu bewegen.

Besprochenes Stück: Die Geburtstagsfeier.

Autor: Harold Pinter.

Uraufführung: 1958.

Selbst gesehen: Am 30. Juli 2017 im Landestheater Salzburg. 

Regie: Andrea Breth.

Handlung: Pianist Stanley lebt als einziger Gast in einer kleinen Pension am Meer und hat Geburtstag. Dann tauchen zwei mysteriöse Fremde auf. Das war’s eigentlich.

Was ich dazu sage: In erster Linie sage ich „Nein, danke“. Nicht falsch verstehen, insziniert war es toll, gespielt hat man toll. Ganz zweifellos hat das ganze Team aus Pinters Geburtstagsfeier das Beste gemacht, was sie machen hätten können. Aber auch das Beste hat mich dazu gebracht, um 20 Uhr (Beginn war 19.30) zum ersten Mal auf die Uhr zu schauen. Drei Stunden später habe ich dann nocheinmal auf die Uhr geschaut und es war 20 Uhr 01. Das Stück, das den Zuschauer nicht nur durch eine bedrückende und bedrohliche Stimmung, sondern auch durch eine ganz sonderbare Langsamkeit in Dialogen und Handlung verstört, dauert geschlagene drei Stunden. Die Pause gibt es erst nach zwei. Das wäre auch kein Problem, an sich, wenn irgendetwas passieren würde, außer dass Pianist Stanley als einziger Gast in einer Pension wohnt, Geburtstag hat und dass zwei mysteriöse Fremde auftauchen. Das Stück beginnt und endet in Verwirrung – das Publikum starrt ins Leere hinein und man hört tausende von Gehirnzellen rattern, die nach dem Sinn des Stückes suchen. Spätestens beim Schlussapplaus bemerken tausende von Gehirnzellen, dass sie gescheitert sind und dass der Sinn des Stückes einzig der ist: Zu erzählen, dass Pianist Stanley als einziger Gast in einer Pension wohnt, Geburtstag hat und dass zwei mysteriöse Fremde auftauchen. Das ganze mit langsamen Bewegungen, langsamen Gesprächen und langsamen Beleuchtungswechseln dreistündig in die Länge gezogen fühlt sich an wie eine Suppe, die eigentlich nur aus kaltem Wasser besteht aber trotzdem als Suppe verkauft wird. Oder wie das berühmte, gefürchtete Klebefleisch. Dabei brät Breth ihre Stücke sehr gut durch. Zur nächsten Geburtstagsfeier aber bestelle ich lieber Torte, Pints und nicht Pinter. 

-Susi

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