Bonjour, Nantes! (Part 2)

Ein kleiner Einblick in die Welt Frankreichs aus der Sicht einer Sechzehnjährigen

Ich saß in der Schule „Perverie Sacré Coeur“ und fühlte mich wie in einer amerikanischen Highschool.

Die Spinde waren draußen und hier lungern die Jugendlichen herum, jedenfalls bevor der Unterricht anfing. Und der fand dann in Räumen statt, in welchen Schüler nicht länger als eine Stunde (oder zwei) blieben.

Essen gab‘s um 12, somit hatte man praktisch vier Stunden, dafür umso intensiver und noch Nachmittagsunterricht.

Natürlich existierten  auch (wie in Österreich) die altbekannten Cliquen, wobei jede ein Eigenleben führt, indem Fall bleibt die Jugend doch überall gleich.

Somit war ich wirklich froh, mit meinen österreichischen Freunden nicht die einzige Ausländerin gewesen zu sein, denn Integration konnte bei so vielen Schülern (und Gruppen) schwer werden.

Aja, und der Turnunterricht war nicht getrennt nach Geschlechtern. Grundsätzlich habe ich dazu keine Meinung, aber es war dennoch ein wenig einschüchternd zu sehen, wie die Jungs gute 1,30 Meter sprangen (ja, beim Hochsprung), während ich daneben stand und froh über meine paar Zentimeter sein konnte ^^

 

Ich wohnte bei einer Schülerin der Perverie und nach fast fünf Monaten bloßem Emailkontakt, lernte ich sie endlich persönlich kennen.

Zwar wohnt sie in einem Ort außerhalb von Nantes -Clisson heißt er- mit einem Schulweg von einer Stunde, aber anders kenne ich es von meinem „echten“ Schulweg auch nicht.

Bei ihr zu Hause habe ich die Kultur besser kennengelernt, bin mit ihr bei Sonnenuntergang durch’s Örtchen spaziert und haben uns mit einem Misch aus Französisch, Deutsch und –am meisten- auf Englisch prächtig unterhalten (unter anderem auch beim Crêpe machen).

Mein großes Glück war ja, dass sie genauso Bücher- und Filmbegeistert war wie ich, somit hatten wir viele Themen zum Reden. 😀

Und als ich bei ihrer Mutter zu Hause war und mich ihr mit meinem minimalsten Französisch-Niveau-und-Wortschatz über Literatur unterhielt (meine Gastschwester war weg, somit konnte niemand dolmetschen)  ist mir wie noch nie klar geworden: Kommunikation ist so viel mehr als nur Sprache. Auch wenn ich mit der französischen Grammatik um mich warf, sodass meine Französischlehrerin sicherlich graue Haare bekommen hätte,  ich verstand die Mutter und sie mich. Sie war begeistert von Schriftstellern (Sigmund Freud scheint von Österreich der bekannteste unter den Franzosen zu sein) und Geschichte und wir redeten mit Leidenschaft miteinander.

Ich glaub, dass ist es, was Menschen mehr zusammenschweißt, als die Sprache selbst.

 

Mit nicht wenig Stolz kann ich sagen, dass sich in diesen zwei Wochen mein Französisch UND mein Englisch verbessert hat und den Alltag und die Kultur Frankreichs  er-/gelebt habe.

Ich könnte hier noch etwas länger bleiben, doch das Einzige, was mir hier fehlt, wären Schwarzbrot und Wiener Wasser (die Reise hat mich auch gelehrt, es mehr zu schätzen!)

Eigentlich dachte ich auch, die Vorurteile von Käse-und-Baguette-essenden-Franzosen loszuwerden, aber nach den ganzen Abendessen, wo Käse und Baguette nicht fehlen durften, wird das wohl nichts.

Das war sicher nicht mein letztes Mal in Frankreich. ❤

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Solche Bücher-Sprüche schmückten die Straßen von Nantes. (Foto: Privat.) 

(Letzte) Grüße aus Frankreich,

Berni S.

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