10 Schritte zum perfekten Text.

Hallo und herzlich Willkommen!

Schenkt man dem Internet Glauben, gibt es eine Frage, die die Welt alle momentanen und zukünftigen Schriftsteller und -innen mehr beschäftigt als alles andere:

Wie verfasse ich den perfekten Text?

Wie punktet man beim Publikum?

1. Erwähne, dass du einer Minderheit angehörst. So beweist du nicht nur deine Sympathie, sondern zeigst auch, dass du Welt kennst und Kummer und Sorgen erfahren hast. Außerdem ist es absofort politisch inkorrekt, deinen Text zu kritisieren.

2. Mache dich jetzt über eine andere, weniger bemittleidenswerte Minderheit lustig. Veganer, zum Beispiel. Oder Lehrer. Oder Konservative. Oder deinen Nachbarn, der sich jede Woche neue Hanteln bestellt, um seiner Freundin – der Briefträgerin – zu einem trainierteren Körper zu verhelfen.

3. Achte auf Alliterationen und baue schlaue Reime ein, sie müssen auch nicht sinnvoll sein.

4. Demonstriere deine politische Bildung, indem du auf das Aussehen deines Kanzlers oder einer Ministerin verweist.

5. Verpacke offensichtliches in Metaphern. Wenn du nicht genau weißt, was du sagen möchtest, verkleide es auch als Metapher. Denn in ein „Die Vögel wurden zu Blumen und die Blumen schwammen brennend davon“ lässt sich meistens etwas hineinterpretieren.

6. Benutze Anglizismen und die Sprache der offiziellen Jugend (also die Begriffe, die kein Mensch außer alternden Bravo-Redakteurinnen mehr verwendet, wie zum Beispiel „trendy“ oder „angesagt“). Wenn du sehr mutig bist, kannst du auch zu Oberschichts-Fekalausdrücken greifen, so wie „Hintern“. Auf diese Weise wirst du die Richtigen schockieren und allen anderen zeigen, wie aufgeklärt du bist.

7. Erwähne, dass du eigentlich gar nicht so aufgeklärt bist. Erzähle von dem einen denkwürdigen Tag, an dem du Fleisch gegessen hast. Oder von der Bahnfahrt, in der dich das schreiende Baby mit Migrationshintergrund mehr genervt hat, als der lesende weiße Banker von gegenüber. Zeige deinem Leser, dass du manchmal, vielleicht, eventuell auch nicht perfekt sein könntest.

8. Sei bescheiden und erzähle von deinen sozialen Ängsten. Erkläre dann, wieso Traurigkeit und Misere bloß eine Entscheidung sind und schlage vor, dass wir mit dem Essen, das Magersüchtige eben einfach lieber nicht zu sich nehmen möchten, afrikanische Hungersnöte beseitigen können.

9. Erzähle von deiner gescheiterten Beziehung und schleife einen deiner Sätze so zurecht, dass ihn dein Publikum nach deinem Auftritt sofort als Whatsapp-Status einstellen kann. Trag diesen dann langsam und mit Nachdruck vor.

10. Beende deinen Text mit einem Scherz. Am Besten über dich selbst. Im Schlimmsten Fall auch über dein Publikum. Gute Kandidaten sind auch die Literaturbranche, Angela Merkel, Donald Trump, Leonardo DiCaprio oder eine andere Persönlichkeit, die „man kennt“. Wenn dir gar nichts einfällt, verweise doch noch einmal auf deine Beziehung, die vielleicht doch nicht zerbrochen wäre, wenn du nicht einer Minderheit angehören würdest und nicht zu fehlerhaft und bescheiden wärst um andere aggressiv und alliterativ mit deiner Aufgeklärtheit anzustecken. Dabei wäre es doch so wunderbar, wenn auch die Veganer einmal über ihren  leeren Teller-Rand hinwegsehen würden und der Kanzler mit seiner Nase  – die ja eh lang genug dafür ist – eine Brücke bauen würde, zwischen arm und reich, zwischen alt und jung, zwischen gut und böse. Denn dann würden Hintern nicht mehr so trendy sein und die Vögel würden endlich zu Blumen und wir alle könnten brennend davon schwimmen.

 

Damit sollte doch alles klar sein, nicht wahr?

Viel Spaß beim Schreiben.

Wie immer freuen wir uns, Versuche zu lesen!

-susanneschmalwieser-

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