Schreibtipp #8 – Klauen ist kein Diebstahl.

Wir lernen es schon in der Schule:Abschreiben ist böse.

Schlecht, faul, unehrlich.
Und es stimmt – wer Autorin werden möchte, sollte sich in Kreativität üben, in eigenen Formulierungen und der Ausführung neuer Ideen.
Aber was, wenn mich ein Zitat unfassbar bewegt, jemand anderer Geschichte erzählt, die ich unbedingt aufschreiben möchte? 

Wo endet die Inspiration, wo beginnt das Plagiat? 
Während es noch nicht allzu langer Zeit unter Autoren Gang und Gebe war, ganze Bücher nicht nur zu übersetzen, sondern unter dem eigenen Namen umzuschreiben, kommt es heutzutage schon wegen einzelner Charaktere, die mit irgendjemandem oder irgendetwas anderem in Verbindung gebracht werden können, zu jahrelangen Gerichtsverhandlungen kommen. 
Für alle, die an der Originalität oder Innovation ihres Schreibens zweifeln – hier 5 Tipps zum legalen Klauen und Abschreiben: 
1.

Denke Gedanken anderer weiter.

Greife bekannte Zitate oder Sprichwörter auf. Spiele ein wenig mit ihnen, verändere den Wortlaut oder widerlege ihre Aussagen, statt ein bekanntes Zitat oder Sprichwort zu nehmen und als deine eigene Erfindung zu verkaufen, als Höhepunkt eines Textes, zum Beispiel.
2.

Erzähle Geschichten neu. 

Wenn vielleicht auch nicht von allen Verlegern geschätzt, ist es in jedem Fall eine wunderbare Fingerübung. Egal ob Märchen, Kurzgeschichte oder Roman – auch Schriftsteller der Vergangenheit sind mit Figuren bekannt geworden, die sie nicht aus dem Blauen heraus erfunden haben.
3.

Schreibe Texte weiter. 

Dich fasziniert ein Buch so sehr, dass du den Charakteren selbst einmal schreibenderweise begegnen möchtest? Das ist wunderbar – der Fanfiction-Markt ist groß und in seiner Blüte, und du hast die Möglichkeit, dir und anderen unbefriedigten Leserinnen ein neues, detaillierteres oder ganz anderes Ende zu einer Geschichte zu schenken.
4.

Überlege, was dir gefallen hat. 

An einem Text, Spruch oder Lied. 

War es Inhalt, Sprache, Rhytmus, Erzählweise?

Anstatt ein Werk an sich zu imitieren macht es sich oft gut, die Eigenschaften aufzugreifen und zu adaptieren, die dir besonders zugesagt haben. So schreibst du nicht nur einen guten Text, sondern lässt deinen Schreibstil langfristig profitieren.
5.

Mach dir nicht zu viele Gedanken.

Es ist alles nicht so schlimm. Egal von vom du fürchtest, ‚abzuschreiben‘ oder zu ‚klauen‘ – was am Ende zählt ist deine Freude am Schreiben. Nicht jeder Text muss zu einhundert Prozent neuartig und innovativ sein. Es gibt nunmal Themen, die uns Menschen seit tausenden von Jahren beschäftigen und die deshalb schon seit jeher gerne in der Kunst aufgegriffen werden. 

Es ist okay, nicht jeden Text zu veröffentlichen und es ist genauso okay, normal, menschlich und wichtig, sich inspirieren zu lassen. 

Von der Welt, vom Leben, von anderen Menschen und deren Geschichten.
In diesem Sinne ein schönes herbstliches Schreiben.

-susanneschmalwieser-

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4 Gedanken zu “Schreibtipp #8 – Klauen ist kein Diebstahl.

  1. Eigentlich wollte ich meinen Kommentar unter „ÜBER UNS“ ( > SPRACHE < ) ablegen; da scheint das aber offensichtlich nicht machbar zu sein … Egal …
    Das THEMA
    "Schreibtipp #8 – Klauen ist kein Diebstahl"
    ist m. E. auch nachdenkenswert und der Anwendung unserer Sprache thematisch nicht fern … Deshalb füge ich als Kommentar meine Tagebuchnotiz aus 2008 hier ein :

    Sprache und Gesellschaft

    Die VERFREMDUNG der deutschen SPRACHE
    durch den JOURNALISMUS und die WERBUNG
    scheint w i r t s c h a f t l i c h e n ZWÄNGEN
    zu unterliegen:
    So wie
    immer mehr ARBEITNEHMER aus KOSTENGRÜNDEN aus deutschen UNTERNEHMEN e n t l a s s e n
    und diese zugleich
    in ausländische WIRTSCHAFTSGEBIETE
    ausgelagert werden, so werden immer mehr WORTE aus PLATZEINSPARUNSGRÜNDEN
    einschließlich der zunehmenden SPRACHFAULHEIT
    aus dem deutschen WORTSCHATZ
    zugunsten eingeführter fremdländischer BEGRIFFE
    w e g g e l a s s e n …
    Empfindet man in DEUTSCHLAND
    nur noch im STADION heute NATIONALSTOLZ ?
    ___
    © PachT, EF 2008

    ( "Wenn der Gesetzgeber in der Vergangenheit eine (Rechtschreib-) Reform gegen das Volk beschlossen hat, dann muss es heute um so mehr möglich sein, die Sprache des Volkes im Grundgesetz vor Willkür zu schützen."
    An "BILD am SONNTAG" zu dem Artikel vom 07.12.08, S. 3: "73% für Deutsch ins Grundgesetz" )

    Gefällt 1 Person

  2. Moin, moin

    als erfolgloser Schriftsteller in Frühpension widme ich mich ab und an gerne anderen schreibwütigen Menschen.
    Deine / Eure Tipps auf dieser Seite in allen Ehren, aber ich fände es nicht verkehrt, auch auf den rechtlichen Aspekt einzugehen, der immer größere Wellen schägt.

    Zwischen Diebstahl und Inspiration liegt ein schmaler Grat, der im heimischen Kämmerlein nicht zu beachten ist. Aber sobald etwas an die Öffentlichtkeit gerät (und dazu reicht ein Blog bereits aus), kann es besonders bei kritischen Urhebern zu einem langen und unnötigen Streit führen.

    Damit möchte ich niemandem Angst einjagen, oder gar eure Tipps schmälern, aber es ist Vorsicht geboten.
    Als private Fingerübung sollte man sich möglichst viel mit allen Einflüssen beschäftigen. Wenn es an eine (noch so kleine) Veröffentlichung geht, dann können solche Gedanken Gold wert sein – für den geistigen Urheber.

    Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Erstmal vielen Dank für den Kommentar, wir merken, dass du es gut mit uns meinst 🙂
      Selbstverständlich ist uns bewusst, dass wir uns mit dem „Abschreiben“ auf einem schmalen Grat befinden, von welchem man leicht fallen kann, unser Ziel mit Schreibtipp #8 war jedoch nicht, andere dazu zu motivieren, Urhebertexte zu plagiieren, es ging uns eher um die Inspiration, die ein anderer Text mit sich bringen kann.

      Aber danke für den Hinweis, wir behalten ihn im Hinterkopf. 😉

      Liebe Grüße aus Wien

      Gefällt 1 Person

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