Textsorte: Hassposting.

  1. Heutzutage ist es ja fast unmöglich, in den Tiefen unseres geliebten Inter-Netz‘ nicht irgendwann an der einen Sache hängen zu bleiben, die Menschen schon verband und bewegte, als Facebook und co. noch in den Kinderschuhen (und -büchern) steckten.

Hasspostings.

Sei es,  weil der junge Werther auch beim dritten-Mal-Lesen nicht aus seinen Fehlern lernt, weil irgendein Mensch irgendwo um ein Präsidentenamt kämpft, oder aufgrund der Trennung von Brad Pitt und Angelina – das Hassposting ist zweifellos eine Textsorte, der man in unserer Welt nicht mehr entgehen kann. Und diese Stellung hat es zweifellos verdient. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Textsorte „Hassposting“ in alle nationalen westlichen Lehrpläne aufgenommen wird.

Schon William Shakespeare soll den ersten zorn- und menschenfeindlichkeitserfüllten Twitter-Text positiv aufgenommen haben; bis heute kennen und zitieren wir seinen Ausspruch: „Oh schöne neue Welt, die solche Bürger trägt.“

Wieso sich diese neuartige Textsorte einer solchen Popularität erfreut, ist einfach zu erklären. Professor Analyticus Sehr-Wichtig erklärt mir in einem Gespräch: „Die Menschen heutzutage sind an ihre Smartphones und Computer gefesselt. Sie lernen nicht mehr, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Ein Kaffee bei Starbucks kostet mittlerweile 5,45 Euro. Der ist viel zu teuer, um ihn dem Gegenüber aufs weiße Hemd zu kippen. Deshalb verlagern sich derart komplexe Konflikte aufs Internet. Da muss nachher wenigstens keiner aufwischen.“

Doch so paradiesisch die moderne Ausdrucksform auch klingt – es ist noch kein Meister mit dem Lift aus der Hölle empor gefahren. Professionelle Hass-Poster feilen Jahre lang an ihren Künsten.

Aus diesem Grund folgen nun:

5 Schritte zum perfekten Hassposting

1. Sucht euer Opfer.

Das ideale Hassposting braucht natürlich das ideale Opfer. Unpopuläre Politiker, Sportler und Veganer sind ein guter Anfang, geübtere Hass-Poster können sich natürlich auch an Stars, Sternchen und Tierschutzvereine heranwagen. Besonders reizvoll ist es auch, auf Personen einzutreten, die schon am Boden liegen, also Wahlverlierer, Gerade-Eben-Inhaftierte, Brad Pitt und Angelina Jolie, etc.

2. Findet den Vorwurf.

Besonders für Newcomer der Hassposting-Szene ist es von äußerster Wichtigkeit, ein genau abgegrenztes und genau überlegtes Thema anzusprechen; sich einen ernsthaften Vorwurf auszudenken. Einige Beispiele hierfür wären:

„XX ist an allem schuld.“

„Ohne XX wäre alles besser.“

„XX, du Schwein.“

3. Vergesst die Argumente.

Man will ja nicht zu  sachlich wirken. Das würde niemand lesen. Schiefe Vergleiche  verstehen sich mit Hasspostings glänzend, genauso wie unbegründete Beleidigungen.

Ein „Ich hasse XX einfach. Da gibt es keinen Grund dafür“, ist in dieser Textsorte auch nie fehl am Platz und wird einem in zukünftigen Klausuren ganz sicher Bonuspunkte einbringen.

4. Sprachliche Schönheit

Hier fällt die Schlüsselrolle einer rhetorischen Figur zu, die sich bis an die Anfänge der menschlichen Kommunikation zurückverfolgen lässt: Der „Beleidigung“, oder Expressiona Proletaria. Political Correctness darf gerne vernachlässigt werden; es wird allgemein dazu geraten, die Poesie der Nachricht mit einem Waffen- oder Schlangenemoji zu unterstreichen.

5. Die Diskussion danach.

Die wahre Tiefe und Bedeutung liegt nicht einzig in einemHassposting an sich, sondern in der sich daraus ergebenden Diskussion von Menschen aller Alters- und Einkommensklassen, die sich mit der Materie noch weniger auskennen als man selbst und in der Regel seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr als Frühpensionisten gemeldet sind. Eventuell aufkommende Auseinandersetzungen und Streits sind leicht gewonnen, es ist ratsam, Männern vorzuwerden, sie seinen Nationalsozialisten, Faschisten, oder Kommunisten (oder alles zugleich); und Frauen vorzuwerfen, sie seien Frauen. Denn wer gerade seine Tage hat, den kann man soundso nicht ernst nehmen.

 

Wie ihr seht, ist es mit der richtigen Taktik gar nicht so schwer, ein Hassposting zu verfassen. Aber wie bereits gesagt ist noch kein Meister mit dem Lift aus der Hölle empor gefahren – also los! Übt! Beschimpft mich in den Kommentaren! Tobt euch aus. Vergesst jede Art von Sinn- oder Ernsthaftigkeit, genießt es, keine Argumente zu haben und habt den Spaß eues Lebens dabei.

-susanneschmalwieser-

 

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Ein Gedanke zu “Textsorte: Hassposting.

  1. Meine Besorgnis formulierte ich unter der Überschrift:
    >> Profillose Vielfalt birgt Gefahren !

    Immer profilloser werdende VIELFALT
    in unserer heutigen GESELLSCHAFT
    lässt den PLURALISMUS
    mehr und mehr
    zur B E L I E B I G K E I T –
    einem KREBSSCHADEN der DEMOKRATIE –
    ausufern !
    ___
    © PachT 2010
    Aus meinem Politischen Tagebuch

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