Zwischen Eierschwammerln und guter Bergluft

Ich sitze mittwochmittags auf dem gemütlichen Sofa unserer kleinen Berghütte, mitten im Nirgendwo in Oberkärnten, in welcher meine Familie eine Woche lang haust und schreibe selig meine Geschichte, als von draußen ein Ruf ertönt. Wenige Minuten später taucht das Gesicht des Besitzers der Hütte am Fenster auf und fordert meine Schwestern und mich zum Pilze sammeln auf. Meine flehenden Blicke werden von meiner Familie demonstrativ ignoriert, sodass  ich dazu verdammt bin, mit zu trotten.

Nicht einmal fünf Minuten später wird uns erklärt, wie man richtig Eierschwammerl klaubt. Der anfangs überkommende Unmut über die eiergelben Pilze schlägt in die „Ist-ja-auch-egal-ich-muss-so-oder-so“-Einstellung um und mit dem fingerlangen Pilzmesser mache ich mich an die Arbeit.

„Eierschwammerl sind die verschimmelte Ausgeburt auf der Haut der Erde“, denke ich, und weiß im selben Moment nicht, wie ich auf so etwas gekommen bin, als ich weiter in den Wald dringe und auf noch mehr Schwammerl stoße. Und es stimmt.

Diese Dinger sind wirklich überall. Im Moos, unterm Moos, auf dem Moos, mitten in den Blaubeersträuchern und zwischen knorrigen Wurzeln uralter Tannen.

Ich teile diesen Gedanken mit meinen Schwestern und sie verziehen das Gesicht. „Du schaffst es immer, etwas Normales als etwas Ekelhaftes zu beschreiben“, sagen sie stirnrunzelnd und widmen sich wieder den Schwammerl.

 

Ich sollte wirklich nicht so viel nachdenken. Ist besser für alle.

 

Ein handgroßer Frosch folg uns auf Schritt und Tritt und beobachtet uns beim Bücken und in-die-Tasche-stecken und beim heimlichen Blaubeeren-mitgehen-lassen.

Eine gute halbe Stunde später sind unsere beiden Säcke voll, die Eierschwammerl ziehen an den Henkeln und scheinen wieder zurück auf den Waldboden zu wollen. Wir schleppen sie gegen ihren Willen in unsere Berghütte, wo sie von meiner Mutter gewaschen werden.

Ich irrte mich, wenn ich dachte, dass die Arbeit für mich dann getan wäre.

Abends werden wir aufgefordert die unzähligen Pilze gründlich zu reinigen, da sich Schmutz auch in den cremefarbenen Rillen der Eierschwammerl befand. Eine heikle Sache, die dann aber wie zur Fließbandarbeit wird.

Eierschwammerl aus dem Haufen pflücken, nach Flecken suchen, diese wegschneiden, Gras wegzupfen, in die Schüssel. Und das hunderte Male.

Die Kleinsten sind ungelogen so groß/klein wie mein Daumennagel, während die größten Eierschwammerl eine Größe von einem Dezimeter erreichen. Ziemlich stolze Größe für etwas, das nur einige Tage braucht, um aus dem feuchten Waldboden zu sprießen.

Jedenfalls war es eine Erfahrung wert, die ich sicher nicht vergessen werde und wer weiß?

Vielleicht gehe ich ja in paar Jahren/Jahrzehnten wieder pfücken. Freiwillig.

😉

Berni

 

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2 Gedanken zu “Zwischen Eierschwammerln und guter Bergluft

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