Schreibtipp #3: Am besten, am größten, am schönsten – der Mut zum Superlativ.

Übertreibungen sind böse. Ein Grundsatz, den wir, als alltägliche Geschichtenerzähler und vom-Leben-Berichter von Anfang an gelernt haben.
„Anzugeben“ ist nicht gut. Bescheideheit schickt sich. Ein Grundsatz, der auch die zeitgenössische Literatur beeinflusst, was mir besonders in Bezug auf die moderne Jugendbuchszene auffällt. Es ist ja fast unmöglich geworden, den Klappentext eines Unterhaltungsromans zu lesen ohne auf ein „Max Mustermann ist ein ganz normaler Junge“, oder „eigentlich gab es nichts Besonderes an Beate Beispiel“ zu stoßen, darüber zu stolpern.
Wieso wir stolpern? Weil danach in jedem Fall ein „aber“ steht, eine Ergänzung, ein Teil-Stück einer Information, die aus Max und Beate zwei nicht-mehr-ganz-so-gewöhnliche Leute macht, sie in Hexen, Zauberer, Werwölfe und Wunderkinder verwandelt, sie dem ein Stück näher bringt, was uns, nicht nur als Schreiber und Leser, nein, sondern auch als Menschen, seit dem Urbeginn unserer Existenz anzieht: Dem Besonderen.
Dieses Besondere, der Mut zum Hoffen, das Der-Eine-Von-Hundert-Sein ist es auch, das wir beim Herzaubern eines neuen Textes nutzen können. Und Superlative helfen dabei, sie machen die Dinge anders, lassen uns unsere Wünsche leben und währenddessen die Dinge aus einem anderen Winkel heraus betrachten.
Nur wer sich traut vom Fliegen zu Träumen hat eines Tages vielleicht die Chance, seine Welt aus der Vogelperspektive zu sehen.

Deshalb hier nun ein paar Schreibimpulse, Anregungen, Titel oder Reizwörter, die ohne Bescheidenheit, ohne Angst vorm Angeben genutzt, aufgegriffen, beliebig abgeändert und natürlich auch ergänzt werden können.

– Der schlimmste Tag

– Die schönste Geschichte

– Der kleinste Mensch

– Der höchste Turm

– Der niedrigste Berg

– Das salzigste Meer

– Die blausten Augen

– Der lauteste Sturm

– Die kälteste Wohnung

– Das beste Brot

– Das schrecklichste Geschenk

– Die hellste Stimme

– Der freundlichste Ort

– Das unauffälligste Buch

– Der längste Tag

– Der hässlichste Schuh

– Der normalste Mensch

Viel Spaß beim Schreiben, würde mich freuen zu sehen, was du daraus machst. Sei stolz auf jeden längsten, schönsten, witzigsten, wütendsten, traurigsten, ergreifendsten und natürlich auch schrecklichsten Text. Du hast dein eigenes Lob allemal verdient. Sei dein ganz persönlicher, allerliebster Superlativ.
-susanneschmalwieser-

Zu den bisherigen Schreibtipps:

Schreibtipp #1: Keine Angst vor schlechten Texten.

Schreibtipp #2: Writing about your insecurities

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3 Gedanken zu “Schreibtipp #3: Am besten, am größten, am schönsten – der Mut zum Superlativ.

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